Donnerstag, 06.11.2014 19:00 Uhr

  Ulrike Dornis - Arabeske  

  Eröffnung am 6. November 2014 um 19 Uhr

  Ausstellung vom 8. November 2014 bis 18. Januar 2015


Ein Hauch von Orient durchweht die Gemäldeserie Arabeske von Ulrike Dornis – und das nicht zufällig. Impulsgeber der Malerei ist eine 1993 in Kairo erworbene Textilie. Ein rotgrundiges, satinartiges Tuch mit floraler Ornamentik und jenen zahllos verschlungenen Arabesken, die den Titel der Serie motivierten. Die Malerin verbrachte im Rahmen eines DAAD-Stipendiums zwei Jahre in der Nilmetropole, die in vielerlei Hinsicht inspirierend wirkten. Nun, Jahre später, ist es nur mehr der optische Reiz, die glänzende Oberflächentextur des Stoffes, der zu immer neuen malerischen Varianten und Studien reizt. Gleichwohl sind Assoziationen an morgenländische Kulturen und Traditionen in den Arbeiten konserviert, die uns bunt, schillernd und vielgestaltig erscheinen.

War das Tuch zu Beginn der Beschäftigung eher Sujet eines „klassischen“ Stilllebens, wird die Ornamentik später immer raumgreifender, füllt das gesamte Bildfeld, sprengt den Rahmen. Häufig sind es geradezu abstrakt wirkende Bilder, die entstehen, obgleich sie sich weiterhin getreu am stofflichen Vorbild orientieren. Verschiedenste Raumsituationen werden erprobt. Untergelegte Bücher, Tischkanten, Sofaecken geben dem Stoff eine räumliche Struktur vor, die sich im unterschiedlich brechenden Licht und durch Schattenbildungen farblich auswirken und immer wieder überraschende Wirkungen zeigen. Dabei sind die Bildausschnitte häufig so gewählt, dass das Arrangement erst entschlüsselt werden muss.

Ulrike Dornis erforscht und dokumentiert die Licht- und Farbwirkungen eines im Grunde wenig luxuriösen Stoffes. Ihr geht es nicht so sehr um eine Darstellung des Realen – vielmehr bietet das Motiv die Möglichkeit, unterschiedliche Farbkombinationen einander gegenüber zu stellen und variantenreiche Eindrücke zu schaffen. Bedeutsam ist hier der serielle Ansatz; die Darstellung des gleichen Motivs und der häufig gleichen Komposition in immer wieder neuen und überraschenden Farbvarianten. Manche Gemälde erinnern losgelöst vom Bildgegenstand an die Vogelschau einer nächtlich beleuchteten Stadt, andere verlieren sich im abstrakten oder beinahe monochromen Schwelgen des Stoffrapports und dessen Farbigkeit.
Der künstlerische Ansatz scheint mit Claude Monets bekannter 33teiliger Bildserie der „Kathedrale von Rouen“ (1892 bis 94 entstanden) konform zu gehen. Der Französische Maler hatte die verschiedenen Lichteinfälle und die tageszeitlichen Veränderungen an der Fassade des gotischen Gebäudes in impressionistischer Art und Weise dokumentiert und ausgelotet. Fast durchgängig hatte er den einen Standpunkt beibehalten und den gleichen Bildausschnitt gewählt.

Ähnlich wie beim Impressionismus ist die Wirkung auch der Gemälde von Ulrike Dornis auf Distanz angelegt. Von weitem gesehen dominiert ein staunenerregender Realismus. Bei näherer Betrachtung löst sich das Bild rasch in einzelne Pinselspuren auf. Der glänzende Stoff zerfällt in separate geradezu flüchtige Striche, erweist sich als malerische Illusion par excellence. Die Erfahrung des Orients und das eigentliche Motiv treten in den Hintergrund und ermöglichen eine freie und ungebundene Auslotung künstlerischer Mittel.
(Dr. Martin Steffens)

Ulrike Dornis, geboren 1966, lebt und arbeitet in Berlin.

Donnerstag, 31.07.2014 19:00 Uhr

  HILDEGARD ELMA - Aquarelle  

  Eröffnung am 31. Juli 2014 um 19 Uhr

  Ausstellung vom 2. August bis 19. Oktober 2014


Vertikale und horizontale Impulse, Geometrie und schwebender Rhythmus  bestimmen, so scheint es, die Bildwelt Hildegard Elmas. Es sind  fugenhaft gebaute Kompositionen, lichte Gewebe, flirrende Membrane – Malerei aus dem Geist der Musik, Formulierungen von unerhörter Strenge und Ausdruckskraft. Ihre Farbakkorde klingen in asketischer Ordnung wie eine unbekannte Melodie zu dem, was wir schon längst kennen. Und doch ist das Un-Dingliche das Ereignis ihrer Bilder, ein Schließen der Augen, der Blick nach Innen auf die Welt hinter den Dingen. Es sind semantische Felder, Substrate der Wirklichkeit – offene Räume, in denen das Imaginäre sich entfaltet.
Hildegard Elma arbeitet konzeptuell, hat Prämissen, flieht jedoch jede Dogmatik. Ihr künstlerischer Ansatz ist puristisch, ihre Technik subtil – ein komplexes Verfahren bildnerischer Reduktion.

Die Künstlerin studierte Musik und Malerei in Stuttgart. Ihr Medium ist das Aquarell, eine verletzliche Farbe, die sich beim Trocknen wandelt. Asketisch wirkt ihre Palette, die sich auf Ultramarin, Indigo und Magenta reduziert. Ihnen entlockt sie mit formalen Modulationen, Struktur und Kontrapunkt sinnlich erregende Harmonien. Deckend, oder bis zur höchsten Transparenz verdünnt trägt sie die Farben in ruhigem Strich mit breitem Borstenpinsel auf. Sie legt sie in Schichten übereinander, so dass eine erhabene Haut entsteht und die im Kolorit an Kirchenfenster gemahnenden Kompositionen eine objekthafte Materialität gewinnen. Bildträger sind Zeichen- und Aquarellpapierbahnen, die sie in kolossalen Maßen – zwei Meter in der Höhe, „soweit die Arme reichen“ – zuschneidet. Als Staffelei dient ihr das Malbrett, an dem sie mit gestreckter Haltung ansetzt, um dann mit geneigtem Oberkörper und angewinkelten Knien vertikale Farbbahnen auf das Papier zu bringen, die einer sich sanft senkenden Spur gleichen. Manche Bilder zeigen horizontale Impulse, die das vertikale Gitter durchbrechen und eine gewebeähnliche Rasterung entstehen lassen.
Immer sind es parallel geführte Bahnen, die den Bildraum in Höhe und Breite umfassend erschließen. Ihre Richtung ist auch ihre Ordnung und vollzieht sich von oben nach unten, von links nach rechts. Auf den Farbhäuten erkennt man oft noch die Wasserspur des Pinselstrichs, die zarten Ansätze, das kleine Rinnsal, das entstand, als die Künstlerin den Pinsel absetzte.
Im Spannungsfeld von opaker Dichte und lichter Transparenz wird auf ihren Bildern der Werkprozess sichtbar, erlebt man jede Pause, jedes Zögern und die Schritte zur Vollendung.

Die Aquarelle haben eine klare, eindringliche Präsenz, aber sind frei von Narration und  „Ohne Titel“. Es sind dynamische, aus zielgerichteter, fließender Bewegung sich entladende Linien. Ihre Bilder scheinen aus sich selbst heraus zu wachsen. In einem subtilen Vorgang formaler Veränderung zählen die Schichtungen, die sie streng und energisch in Horizontalen und Vertikalen auf den Bildträger legt. Hierbei entstehen zuweilen Kreuzstrukturen. Ihre Kunst ist jedoch frei von symbolischen Formen. Es sind Folgen, keine Serien. Das Intervall eines jeden Bildes ist – so die Künstlerin – unerbittliche Konsequenz des vorhergehenden, manchmal auch Reprise.
Manche Formen entstehen durch wegnehmendes Gestalten und unaufhörliche Bewegung, als wolle sie die Zeit und mit ihr die Struktur des Zufalls abbilden. Es sind Bilder, die der Eigendynamik bildnerischen Bewusstseins sinnlichen Ausdruck verleihen. Im Zustand des Entstehens zeigen sich die Gegensätze im Temperament der Künstlerin: strenge  Hermetik und Gewicht mancher Blätter stehen neben Werken von flirrender Leichtigkeit. Sie schätzt die geordnete Progression, aber auch befreiende Aufbrüche. Oft im Dreischritt (These, Antithese, Synthese?) mobilisiert sie die Kräfte von Farbe und Licht – Spannung steht neben Ruhe und Ausgeglichenheit, zentrierende und fliehende Kräfte machen das Bildgeschehen zum kontrapunktischen Spannungsfeld.  
Sie widersprechen der Gewohnheit perspektivischen Sehens, auch wenn es immer eine Mitte zu geben scheint. Ihre Bilder „ziehen“ an den Augen, bersten vor innerer Sprengkraft. Es sind „aktive“ Bilder, ihre Dynamik bleibt nicht wie ein Tier hinter Gittern in die Ebene gebannt, sondern springt uns an. Es gelingt ihr, den Raum jenseits seiner visuellen Notation als zusätzliches Agens ins Spiel zu bringen, als ginge es ihr um unbekannte, abstrakte Wirklichkeiten, die noch zu erkunden sind. (Ricarda Geib)

Hildegard Elma, geboren 1948, lebt und arbeitet in Leer und Freudenstadt.

Bild: Hildegard Elma, 12/1 o.T. (Ausschnitt), 2012

Donnerstag, 08.05.2014 19:00 Uhr

  VIDEO ERGO SUM  

  Eröffnung am 8. Mai 2014 um 19 Uhr

  Ausstellung vom 10. Mai bis 13. Juli 2014


Eine Ausstellung von Tino Bittner, Udo Dettmann und Thomas Sander

In den neunziger Jahren entstanden Fernsehkomödien, die mit Gelächter aus der Konserve anstelle der Zuschauer über ihre Witze gelacht haben.

Wozu dieses Lachen? Es zeigt mir, wann ich lachen soll.
Lachen ist Pflicht, nichts Spontanes, aber diese Antwort reicht nicht aus, da ich gewöhnlich nicht ohne Grund lache. Die richtige Antwort wäre die, dass der Andere - hier vom Bildschirm verkörpert - mich sogar von der Pflicht zu lachen befreit, indem er an meiner Stelle lacht. Selbst wenn ich also, von einem anstrengenden Arbeitstag ermüdet, den ganzen Abend nur träge auf die Glotze starre, kann ich danach sagen, dass ich durch das Medium des Anderen einen schönen Abend verlebt habe.

Es gibt Kunstwerke, die bereits ihre eigene Betrachtung enthalten. Und es gibt Betrachter, die sich lieber vertreten lassen als selbst zu lachen, Furcht oder Mitleid zu empfinden.

Sind nicht auch z.B. die überbordenden Schaufensterauslagen in den großen Shopping Malls, deren Angebot die Aufnahmefähigkeit selbst der geduldigsten Kunden um ein Vielfaches übertrifft, ebenfalls Selbstbetrachtungsapparate, die den Nutzern das Gefühl des Gesehenhabens und somit der Teilhabe, den Nichtnutzern das Gefühl des Nichtsehenkönnens oder aber Nichtsehenmüssens vermitteln?

Ist es nicht so, dass die Besucher, die tatsächlich nur wenig sehen, den Umstand, dass es viel zu sehen gibt, so wahrnehmen, als ob sie viel sehen würden?

Meine Wahrnehmung ist der Beweis für meine Existenz.
In der Grundidee zu dieser Ausstellung sind wir, die Künstler, einig, indem wir darüber rätseln, ob die eigenen Vorstellungen nicht auch die des Anderen sein können, ob sie von außen beeinflusst werden, z. B. von den Medien, oder ob Realität nicht auch mit Einbildung zu tun hat. Man adaptiert Ideen Anderer unbewusst und hält sie dann für eigene Einfälle. Dahinter steht die Frage nach der eigenen Identität und damit bleibt die philosophische Grundfrage „Wer bin ich?“

Die Werke der Künstler Tino Bittner, Udo Dettmann und Thomas Sander bewegen sich in den Medien Malerei, Objekt und Video. Ausgangspunkt für alle ist die Malerei. Mit lasierend übereinander gelegten Videoebenen, verschiebbaren Zeichnungen auf transparenten Folien oder Glas und akustischen Bildern ziehen sie den Betrachter unmittelbar in den Wirkungsraum der ‚Malerei mit anderen Mitteln‘.
Das Ziel ist, die vorhandenen Schnittmengen der jeweiligen künstlerischen Positionen in einen Ausstellungskontext zu verwandeln, der das gemeinsame Anliegen in der künstlerischen Haltung in eine Form bringt und damit die jeweilige einzelne künstlerische Position der drei Protagonisten als Bindeglied eines Ganzen sichtbar macht.

Tino Bittner, Udo Dettmann und Thomas Sander leben und arbeiten in Schwerin und Mecklenburg-Vorpommern.


Donnerstag, 06.02.2014 19:00 Uhr

  MAD GIRL´S LOVE SONG - Installation, Malerei, Zeichnung  

  Eröffnung am 6. Februar 2014 um 19 Uhr

  Ausstellung vom 8. Februar bis 13. April 2014


Eine Ausstellung der Künstlerinnen Susanne Mewing, Katrin Pieczonka und Katja Staudacher

Special Guests zur Eröffnung:
Gregor Stockmann »A Mad Girl’s Text-Revue«
Parkers Rauschen

Interview (Auszug)

1. Was machen Sie da?

Mewing: Zeichnen
Pieczonka: Malen
Staudacher: Sitzen

2. Warum machen Sie das?

Pieczonka: Habe es eigentlich schon immer gemacht.
(Mewing und Staudacher schweigen.)

3. Gibt es Gemeinsamkeiten in Ihren Arbeiten?

Pieczonka: Ja. Ich finde, dass wir alle im Grunde genommen etwas Ähnliches tun - wir finden Dinge, die uns persönlich interessieren, sei es in der eigenen Geschichte, der Kunstgeschichte, der Alltagskultur, die uns umgibt und benutzen Fragmente, Versatzstücke, Ideen davon, um daraus etwas Neues zu machen. Wir arbeiten alle drei nicht konzeptuell, sondern eher intuitiv, immer suchend, überarbeitend, ausprobierend - und allerhand Fehlversuche, Anfänge, Skizzen sind auch später noch in der fertigen Arbeit enthalten und teilweise sichtbar.
Mewing: In der Arbeitsweise sind wir ähnlich. Etwas beginnen, sich währenddessen damit auseinandersetzen, hinzufügen, wegnehmen, verwerfen, übermalen, bis das Kunstwerk am Ende fertig ist.
Staudacher: Siehe oben.

4. Was hat das Gedicht »mad girl‘s love song«
von Sylvia Plath mit Ihrer Arbeit zu tun?

Staudacher: Mich fasziniert, wie Sylvia Plath es schafft extreme Zustände zu beschreiben. Sie verwendet Worte wie Gott ?(Himmel), Teufel (Hölle), Geburt, Leben, Tod usw. also Worte, die als solches schon gleich ein Gegenteil oder eine andere Seite haben. Sie schafft es, existentielle Zustände so zu beschreiben, dass auch ich, als Leser des Gedichts, diese widersprüchlichen Empfindungen habe. Ich kann Gut und Böse, Täter oder Opfer sein, Zerstörer, Widerhersteller. Und da ist genau der Punkt. Diese Gegensätzlichkeit gibt es auch in unseren Arbeiten. Es gibt dieses Hin und Her aus Schönheit und Hässlichkeit, ganz und kaputt. Mewing z.B. zerlegt mit feinem Strich Körper, um sie dann nach eigener Vorstellung, vielleicht noch mit unerwarteten Eigenschaften versehen, wieder zusammen zu setzen.
Pieczonkas Bilder zeigen Momente der Erinnerung an erlebte Situationen. Die Malerei ist bruchstückhaft und doch eine eigene Einheit. Teils Baustelle, teils Paradies.
Und ich z.B., nutze gern Material mit kurzer Halbwertzeit. Das heißt, da es an sich keinen Wert mehr hat, versuche ich durch zweifelhafte Bezüge Bedeutung herzustellen. Siehe »Delaware«, eine Collage bestehend aus gängigen Boulevard-zeitschriftschnipseln. Die Collage entstand nach der Vorlage eines Ölgemäldes von Emanuel Leutze, auf dem das historische Ereignis der Überquerung von George Washington über den Delaware abgebildet ist und das damit den Abschluss des Unabhängigkeitskrieges darstellt. Emanuel Leutze gehört zu den Vertretern des historischen Realismus. Es gibt also eine Überlagerung von Gegensätzen. Historisch Bedeutsamem einerseits und andererseits von Schnelllebigkeit und oberflächlichen Inhalten der Boulevardmagazine von heute.
Mewing: Der Solipsismus. Während der Arbeit ist das sehr angenehm.
Pieczonka: Das Gedicht klingt für mich wie ein Lied, das von einem Mädchen, einsam und trotzig herumhüpfend, vor sich hingesungen wird. Vor allem die wiederkehrenden Zeilen »I shut my eyes and all the world drops dead« und »I think I made you up inside my head« spiegeln ein Stimmung wieder - das Gefühl, dass die ganze Welt im Grunde für mich und von mir gemacht wurde und aufhört, zu existieren, sobald ich aufhöre, sie zu beachten. Dadurch fühlt man sich einerseits sehr mächtig, und andererseits auch sehr einsam. Ich glaube, dass diese beiden, sich gegenseitig bedingenden Eigenschaften viel mit dem Dasein als Künstler zu tun haben und sowohl sehr viel Freude bereithalten - man hat ja schließlich immer etwas zu tun, wenn man irgendwelche Welten erschafft und wird sich niemals langweilen - und andererseits aber auch ein Gefühl von großer Distanz zur Welt, die einen umgibt, verursachen kann.
In dem Gedicht »Soliloquy of the Solipsist“ von Sylvia Plath klingt das Thema ebenfalls an. In der deutschen Übersetzung heißt es in der zweiten Strophe so: „Ich / Lasse Häuser schrumpfen / Und mache Bäume klein / Durch Weitergehen; an den Strippen meiner Blicke / Baumeln die Marionetten-Leute, / Die, nicht ahnend, wie sie schwinden, / Lachen, küssen, sich betrinken / nicht erraten, dass, beschließe ich zu blinzeln, / Sie sterben.«

Susanne Mewing (geb. 1971), Katrin Piezonka (geb. 1972) und Katja Staudacher (geb. 1976) leben und arbeiten in Hamburg.